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Business Usability – Lessons Learned From Consumer UI?

10. Februar 2014 von Thomas Erbrich

Haben Sie sich nicht auch schon gewünscht, dass Ihre Büroanwendungen so leicht zu bedienen wären wie Ihre Lieblings-App?
Natürlich ist ein ERP System keine einfache App sondern eine komplexe Software-Lösung, die auf Ihre Geschäftsprozesse zugeschnitten ist und Massen an Informationen anzeigen und bearbeiten muss.
Allerdings ist es auch offensichtlich, dass sich Consumer-Anwendungen und Benutzeroberflächen stark weiterentwickelt haben und polemisch gesagt: Die Schere zwischen App und SAP geht immer weiter auseinander.
Warum sind die Apps so erfolgreich und was können Geschäftsanwendungen daraus lernen?

Um diese Fragen zu beantworten, muss man zuerst verstehen, dass Apps einer neuen Software-Generation angehören, die in der Cloud geboren wurde.
Apps stellen Daten und Dienste verschiedenster Herkunft überall, jederzeit und jedermann zur Verfügung. Ihre Gene sind Mobilität, Kommunikation und Bedienbarkeit.
Herkömmliche Geschäftsanwendungen sind Kinder des Desktops, des Schreibtischs. Sie sind dafür gebaut, geschulten Mitarbeitern am Arbeitsplatz Daten aus dem lokalen Netzwerk oder der Festplatte bereitzustellen. Natürlich können sie inzwischen auch vom Laptop unterwegs Cloud-Dienste nutzen, aber es liegt ihnen nicht in den Genen.

  RSS Reader als klassische Desktop-Anwendung

Der Unterschied ist viel fundamentaler als es zunächst klingt. Apps haben teils völlig andere Architekturen, Designs und Konzepte als Desktop-Anwendungen.
So folgen Apps nicht mehr der Arbeitsplatz-Analogie, haben also weder Papierkorb noch Ordner. Apps laufen immer im Vollbildmodus, Fenster haben ausgedient. Zusätzliche Bedienparadigmen für Touch- und Sprachsteuerung ergänzen die klassische Maus- und Tastaturbedienung. Apps haben eine neue Informations-Architektur und stellen den Inhalt in den Vordergrund, Funktionen werden bei Bedarf eingeblendet. Ein klares und adaptives Design unterstützt alle Auflösungen und Bildschirmgrößen. Der App-Store sorgt für das Deployment, Software-Installer sind nicht mehr notwendig.

  RSS Reader als Windows 8 App

Das sind nur ein paar Beispiele für die Unterschiede zwischen den Software-Generationen. Diese Unterschiede bringen einige Einschränkungen mit sich, aber das wird durch neue Möglichkeiten mehr als wettgemacht.
Apps stellen den Anwender und seine Kommunikation und Daten in den Mittelpunkt. Sie sind klarer strukturieret und einfacher bedienbar als klassische Anwendungen. Sie sind in die Cloud-Infrastruktur eingebettet und ermöglichen den Austausch, die Verknüpfung und die Anzeige von Informationen jeglicher Art. Z.B. Sensordaten des Geräts, Cloud-Dienste, Text- Sprachnachrichten, Medien-Streams, …
Daher ist es verwunderlich, dass noch heute viele Geschäftsanwendungen auf Smartphone und Tablet aussehen wie eine lieblos angepasste Kopie der PC-Lösung. Damit wird das Potential moderner Apps verschenkt. Neben höherer Produktivität und niedrigeren Fehlerquoten könnte gerade auch die Mitarbeitermotivation verbessert werden.
Eine positive User-Experience (Nutzungserfahrung) ist bei Consumer-Apps einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Kunden kann man nur halten oder gar gewinnen, wenn die Bedienung und Design positiv wahrgenommen werden. Nur dann kann auch eine feste Kundenbindung zu App und Anbieter entstehen.
Dies gilt natürlich auch für die eigenen Mitarbeiter und Geschäftskunden, da auch hier Identifikation und Bindung extrem wichtig sind. Daher wird gerade für Geschäftsanwendungen die User-Experience in den nächsten Jahren ein entscheidender Erfolgsfaktor werden.
Das ist alles Grund genug sich einmal anzusehen, was Business-Apps von den Consumer-Apps lernen können und was davon auch für PC-Anwendungen gilt.

  Moderne Desktop-Anwendung

In einer Blog-Reihe möchten wir daher unsere Erfahrung aus der Konzeption und Entwicklung von PC-Anwendungen und mobilen Apps aufarbeiten und ein paar Denkanstöße für die nächste Software-Generation liefern.
Zusammen mit meinen Co-Autoren werden wir die verschiedenen Aspekte neuer und alter Ansätze vergleichen und diskutieren. Die Ergebnisse unterfüttern wir natürlich mit Beispielen aus unseren Projekten.
Wir möchten mit der Artikelserie eine Diskussion über moderne Benutzeroberflächen und Usability starten. Auf dem Weg zur nächsten Software-Generation müssen noch viele Fragen gestellt und Herausforderungen bewältigt werden. Beteiligen Sie sich daher mit eigenen Beispielen, Aspekten, Fragen, Zustimmung und Widerspruch!

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